Ein Montagmorgen im Seniorenheim: Andreas Blinzler, Leiter des Gerhard-Tersteegen-Hauses, stellt mit dem Fotografen Christoph Bünten die Bilder auf. Am Tisch sitzen vier der Fotomodelle: Pia Görtz (81), Mia Henke (90), Irmgard Schaufler (81) und Helmut Wende (72) sehen ihre Bilder erstmals. Christoph Bünten packt zuletzt das große Bild von Irmgard Schaufler aus, die Porträtierte staunt – und schweigt. Nach einigen Sekunden spricht der Heimleiter Andreas Blinzler.

Andreas Blinzler Ist das nicht toll? Hätten Sie geglaubt, dass das Ihr Bild mal so schön wird?

Helmut Wende Ja, Frau Schaufler, jetzt sind Sie baff, nicht wahr?

Irmgard Schaufler: Ich bin sprachlos, wirklich toll (schweigt wieder).

Christoph Bünten: Frau Schaufler sagte mir damals übrigens, sie sei absolut nicht fotogen.

Andreas Blinzler: Finde ich überhaupt nicht. Was mir am besten gefällt: Sie haben alle so aussagekräftige Gesichter.

Frau Schaufler, wie werden Sie sich fühlen, wenn Sie künftig im Treppenhaus an ihrem Bild vorbeilaufen?

Irmgard Schaufler Schwierig, da müsste ich den Rollator mitnehmen.

Die Ausstellung ist mit "Würde im Alters" überschrieben? Fühlen Sie vier sich im Alter würdig behandelt?








Mia Henke (90) kommt gebürtig aus Neuss, "da kannte man Krefeld nicht."



Helmut Wende Keinesfalls, ich bin nicht oft in meinem Leben Straßenbahn gefahren, aber als ich zuletzt mal drin saß, um von Krefeld nach Uerdingen zu fahren, hat mir niemand einen Platz angeboten. Ich bin jetzt 72 und habe Respekt vor allen, die noch älter sind. Das fehlt mir bei der jüngeren Generation.

Aber Würde lässt sich ja noch anders messen als in angebotenen Sitzplätzen in Straßenbahnen.

Mia  Henke Wir kommen ja wenig mit jungen Leuten in Kontakt; aber das Personal hier zum Beispiel ist auch jung. Da könnte ich jedoch über keinen was Schlechtes sagen.

Wie fühlt sich das an – alt werden?





Helmut Wende (72): Im Gerhard Tersteegen Haus wird er neuerdings nur noch "Germanys Next Topmodel" genannt, weil allen das Foto so gut gefällt. Nach einer Herz-Operation und fünf Bypassen kam Wende, der lange alleine in Uerdingen wohnte, in das Heim in der Südstadt. Fotos (4): Christoph Bünten


Mia Henke Früher habe ich nie drüber nachgedacht, dass ich mal 90 werde. Jetzt denke ich immer: Du bist so alt geworden, da musst Du jetzt mit fertig werden. Und ich werde auch damit fertig. Ich lasse alles auf mich zukommen. Ich stelle mir nicht vor, was kommt. Ich will die Zukunft nicht schon heute wissen.



Macht Sie Ihr Alter stolz?

Mia Henke Was heißt Stolz? Ich habe ein gutes Leben hinter mir mit meinem Mann. Wir sind viel in der Weltgeschichte herumgereist. Darüber denke ich nach und sage mir: Du hast es doch gut gehabt?

Sagen Sie: "Ich habe es gut gehabt" oder sagen Sie: "Ich habe es gut"?








Pia Görtz (81) wurde in Sachsen geboren – ihr eigenes Bild? "Ungewohnt".


Mia Henke Ich bin auch jetzt zufrieden. Ich bin zwar schwer krank, aber das schiebe ich auf die Seite.

Hätten Sie früher gedacht, dass Sie mal im Heim in Krefeld leben?

Mia Henke Eigentlich nicht, ich bin aus Neuss, da kannten wir das Wort "Krefeld" früher nicht. Ich wusste gar nicht, wo das war.

Andreas Binzler Da muss man 81 werden, um nach Krefeld zu kommen.

Mia Henke Ich würde gerne nach Neuss zurück, aber das geht nicht mehr. Ich habe hier meine Pfleger. Manchmal trösten mich meine Neusser am Telefon: Du brauchst nicht traurig sein, es gibt hier kaum noch wen, den Du kennst.








Irmgard Schaufler (81) kam mit ihrem dementen Mann ins Heim.


Herr Wende, Alleinsein, ist Ihnen das vertraut?

Helmut  Wende Es passiert immer öfter, dass ehemalige Arbeitskollegen mir am Telefon sagen: Wende, dieser oder jener ist gestorben. Dann zucke ich zusammen und denke: Oh Gott, der war viel jünger als Du.

Aber Sie sind doch noch topfit. Als ich bei Ihnen aufs Bild schaute, dachte ich mir: Wow, diese Jacke ist aber modern.

Helmut Wende Die habe ich mir in der Reha im Sauerland gekauft. Ich bin ja nach dem Schlaganfall direkt ins Krankenhaus und dann in die Reha. Ich habe von zu Hause nichts mitnehmen können. Da habe ich mir zwei Trainingsanzüge und die Jacke gekauft. Ich wollte ja anständig angezogen sein.

Irmgard Schaufler Herr Wende, die Jacke ist der Hit.

Helmut Wende Viel leisten kann ich mir eigentlich nicht mehr. Wissen Sie: Ich bin 1938 in Breslau geboren wurden, wir sind geflüchtet, und blieben in Detmold. Durch meine Scheidung bin ich 1987 nach Krefeld gekommen. Meine Firma hatte einen Sitz in Uerdingen, hier habe ich dann alleine gelebt und bin für meine Firma LKW gefahren, musste aber noch viel an meine Frau und meine Tochter zahlen. Deshalb bleibt mir nur eine kleine Rente.

Sebastian Peters führte das Gespräch.

 

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